Donnerstag, 13. Juni 2013

Reisen erweitert den Horizont.



Pian Ma.
Den Rucksack gepackt, mit Sonnenmilch eingecremt, ging es letzte Woche los auf einen Kurztrip durch unser zurzeit wunderschön grünes Nujiang-Tal. Bei brütender Hitze saßen wir von frühmorgens bis abends im Bus Richtung Süden und schaukelten in den zahlreichen Serpentinen und Schlaglöchern mit den anderen dicht aneinander gedrängten Fahrgästen um die Wette.
Das erste unserer beiden Reiseziele sollte Pianma sein, ein weitläufiges Dorf direkt an der Grenze zu Myanmar. Dort angekommen stand die Nachmittagssonne bereits tief und ließ in ihrem von uns, die wir doch den Sonnenuntergang im tiefen Tal sonst kaum mitbekommen, fast schon vergessenen besonderen Licht die Umgebung auf dem Hochplateau glitzern.
 
Im Minibus durch das Nujiang-Tal

Wegproviant: Nudelsuppe aus der Dose

Gruseliges Schaf, das einen hier überallhin verfolgt (vielleicht wie Hello Kitty in Deutschland).


Drei Schulmädchen fragten wir nach einer Unterkunft. Nachdem wir das schick aussehende Hotel dankend abgelehnt und sie gemeint hatten „natürlich haben wir auch was Einfacheres“, brachten sie uns zu einer Unterkunft, die wohl eher unseren Vorstellungen entsprach. Sogar eine eigene Nasszelle hatten wir auf unserem Zimmer, die ihrem Namen, wie sich bei erster Benutzung von Toilettenspülung und Waschbecken herausstellte, voll und ganz gerecht wurde.

Badezimmer

Freude über ein lang nicht mehr gesehenes Buxbäumchen

Noch am selben Abend liefen wir in Richtung des Nachbarstaates im Westen und standen schließlich vor dem eindrucksvollen Grenztor zwischen China und Myanmar. Zwar hatten wir nicht erwartet, dass das Leben auf der anderen Seite der Absperrung von einem auf den anderen Meter komplett anders aussehen würde, uns so war es schließlich auch nicht – aber doch sah man in der Ferne zwischen den grünen Bergen ein geheimnisvoll erscheinendes Licht schimmern …

An der Grenze zu Myanmar

Über Pianma schwebt der Duft von frischem Holz. Wo ich in dem Grenzort auch hinsah, überall fand man Höfe, in denen unzählige Baumstämme aufgebart waren zum Weitertransport, sowie Werkstätten, in denen das Holz direkt weiterverarbeitet wurde. Täglich fahren tonnenschwere Lastkraftwagen, beladen mit Baumstämmen von einem Durchmesser, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe, von Myanmar aus über die Grenze herüber. Seit Jahren werden anscheinend Grenzwälder abgeholzt und myanmesisches Holz importiert, um hier in China den riesigen Absatzmarkt an Essstäbchen, Papier und Brennstoff zu befriedigen.

---BILD: Der Grenzort Pianma ist ein einziges großes Holzlager. Täglich transportieren unzählige Lastwagen riesige Baumstämme von Myanmar über die Grenze nach China. ---


Die Landschaft um Pianma herum war verwildert und von saftigem Grün. Weil es im Umkreis nicht viele Dörfer gab, existierten jedoch keine Trampelpfade, auf denen man die Natur hätte erkunden können. Nach zahlreichen Spaziergängen entlang der Straßen hatten wir nach gewisser Zeit das Gefühl, die Umgebung zu Genüge ausgekundschaftet zu haben.
Weil wir also nicht so recht wussten, was wir unternehmen sollten, und weil wir außerdem die Muße dazu hatten, verbrachten wir einen ganzen Nachmittag damit, über der Stadt an einem Denkmal im Schatten zu sitzen, zu schreiben und zu lesen und uns mit den Menschen zu unterhalten, die vorbeikamen. Diese philosophische Pause, nach der man sich insbesondere beim Reisen oft sehnt, gibt doch immer wieder Gelegenheit, über Gesehenes und Erlebtes nachzudenken und die Ideen aus der plötzlich so lebhaften Phantasie hervorkommen zu lassen.

Über den Wolken

Kurzer Halt zum Pflaumen-Kaufen

Deal durch's Bus-Fenster


Lao Mu Deng.
Auf unserem Weg von Pianma aus zurück Richtung Norden hielten wir in dem Taldörfchen Pihe an, um den beiden Baumhäuslern Micha und Tom einen Besuch abzustatten. Die beiden empfahlen uns, dem so genannten Tee-Dorf Lao Mu Deng etwa eine halbe Stunde bergaufwärts einen Besuch abzustatten. Also mieteten wir uns, in tiefster Nacht oben angekommen, in das örtliche Hostel ein. Die Tatsache, dass es zum einen ein solches hier gab und zum anderen, dass eine gut ausgebaute Straße in das Dorf führte und dort mit einem geteerten Pfad zu jeder Hütte endete, sollte uns bereits vor Augen führen, dass es sich bei Lao Mu Deng um ein Örtchen handelte, das in der Gegend die Stellung eines kleinen touristischen Ausflugsziels genoss. Dazu trug vor allem die schöne Szenerie einer alten Kirche neben einem Teich bei, von wo aus man unendlich weit das Tal entlang schauen konnte.

Kirche in Lao Mu Deng

Nujiang-Tal

Pause


Ein morgentlicher Spaziergang entlang der verzweigten Pfade führte uns an den Hütten vorbei und gab uns die Gelegenheit, das Dorf und seine Atmosphäre ein bisschen kennenzulernen. Eine versteckte Teeplantage an einem Abhang hinter den letzten Hütten gab dem Dorf wohl seinen Namen als Tee-Dorf.

Packesel


Wildgänse

Unser neuer Freund und treuer Begleiter – ''Hund''


Schließlich brachen wir noch am Nachmittag des ersten Tages auf, um zurück nach Fugong zu fahren. Lao Mu Deng fand ich letztendlich ganz schön, aber nachdem wir über die letzten Monate an so vielen schönen Orten in den Bergen waren, traditionelle Hütten und Einheimische hautnah kennengelernt haben, stach dieser Ort nun nicht mehr durch seine Schönheit hervor. Anders verhält es sich natürlich mit den Chinesen, die zum Reisen hierher kommen und üblicherweise nicht wandern gehen. Das gut ausgebaute Lao Mu Deng trägt nach allem dennoch den Charme eines traditionellen Bergdorfes.

Lao Mu Deng


Reise-Impressionen.









Ich schicke euch sommerliche Grüße aus Fugong nach Deutschland!
Eure Elena

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