Sonntag, 12. Mai 2013

Wenn der Schüler dem Lehrer den Regenschirm zur Abendtoilette hält

„I would like to invite you to my village“, sagte unsere Schülerin Kim, als sie uns fragte, ob wir ihr Dorf in den Bergen besuchen wollten. Klar wollten wir das, und so gingen wir an einem Morgen im strömenden Regen zusammen mit Kim zu ihr nachhause.


Kims Dorf
Supermarkt

Mit dem gelben Sack durch die Wildnis


In der Bambus-Hütte wohnt sie zusammen mit ihren Eltern, die Bauern sind. Insgesamt haben sie sieben Kinder zur Welt gebracht, von denen drei gestorben sind und zwei in andere Provinzen zum Arbeiten gegangen sind. Kim und ihr älterer Bruder, der selbst schon eine Familie hat, wohnen noch in ihrem Dorf und helfen den Eltern. Kims Schwester hat außerdem zwei Kinder, die von Kims Eltern großgezogen werden, während die Schwester arbeitet. Sie sieht ihre Kinder ein Mal im Jahr, wenn sie zum chinesischen Frühlingsfest nachhause kommt.


Kims Elternhaus

Die Frauen der Familie


Als wir nun bei Kim zuhause waren, spielten wir viel mit Nichte und Neffe. Sie zeigten uns ihr Dorf und wir gingen im Regen spazieren.


Xiaozui und Yuyaohua
Spaziergang im Regen
Aufwärmen am Feuer


An den zwei Tagen, die wir dort waren, saß man oft einfach zusammen um die Feuerstelle in der Hütte und erzählte, aß etwas oder bereitete das kommende Mahl vor. Zu unserem Unbehagen brachten es die unglaublich herzlichen Eltern fertig, an zwei Tagen drei Hühner und ein Ferkel für uns zu schlachten.


Der Vater bereitet das Abendessen vor.
Zu Tisch


Die beiden Tage bei unserer Schülerin haben uns einen Einblick gegeben, wie das Leben im Bergdorf im Alltag aussieht. Viel dreht sich um's Essen (Schlachten, Kochen, Essen, Abwaschen), noch mehr dreht sich um die Kinder. Ansonsten sitzt man lange Zeit am Feuer, knabbert Erdnüsse und schaut dem Nachwuchs zu. Der Vater geht im Dorf an der Wasserleitung arbeiten, die Mutter wäscht Wäsche. Das Leben ist geprägt von harter körperlicher Arbeit, dem Zusammensein in der Familie und elementaren Dingen wie essen und schlafen. Es gibt kein großes Unterhaltungsprogramm, man tut nicht viel und konzentriert sich auf das Sein.



Regenrinne


Irgendwann war es uns egal, ob unsere Klamotten dreckig waren und unsere Füße im Ruß des Feuers standen. Es war einfach belanglos. Ich fühlte mich während der zwei Tage sehr … na ja, vielleicht kann man sagen „nahe am echten, ursprünglichen Leben“. Dieses Elementare hat mich fasziniert und in einer besonderen Weise beruhigt. In den Momenten konnte ich es nicht nachvollziehen, dass es ein paar tausend Kilometer weiter, in Deutschland, eine Welt gibt, in der die Menschen, mich miteingeschlossen, ihr hektisches Highlife leben und den Boden unter den Füßen nicht mehr sehen.



Wer sucht ...
... wird fündig.


Panorama



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