Dienstag, 28. Mai 2013

Dagmar


Dagmar, die deutsche Entwicklungshelferin hier in Fugong, ist für ein paar Wochen nachhause nach Deutschland geflogen und hat uns gebeten, ab und zu mal in ihrer Wohnung zu schlafen und ihrem Kater Wimply Gesellschaft zu leisten. Das machten wir natürlich gerne. Ein Mal waren auch Sweet Pea und Hunter da und wir haben zusammen gekocht. Hunter hat ein Huhn geschlachtet und wir waren für das Gemüse zuständig. In Dagmars Wohnung komme ich mir immer vor wie in Deutschland. Wenn man nach einer Weile wieder hinausgeht, befindet man sich urplötzlich in einer völlig anderen Welt wieder.

Spieleabend bei Dagmar (Fabi, Sweet Pea, ich, v.r.)

Twister
Marie, Fabi, Sweet Pea und Hunter (v.l.)


Hunters Hühnchen


Gesang und Tanz auf dem Schulhof. Nach wochenlangem Üben fand letztens der große Wettbewerb an der Schule statt, bei dem die Klassen zusammen etwas singen oder tanzen sollten. Die Schüler hatten sich zu diesem Anlass in ihren Trachten in Schale geschmissen, das Gesicht jeglicher Tänzerinnen wurde, dem chinesischen Schönheitsideal folgend, kreidebleich geschminkt.
Eine Klasse nach der anderen betrat die Bühne und sang vor versammelter Schülerschaft, dem Lehrerkollegium und der Jury

 
Sing-Kontest – Jeder Zuschauer hat seinen Hocker mit auf den Schulhof gebracht.

Unsere Klasse singt unter der chinesischen Flagge.


Trotz gelegentlich einsetzendem Nieselregen war die Stimmung gut; die Kinder waren auf den bevorstehenden Auftritt aufgeregt oder glücklich, dass sie es bereits überstanden hatten, die Lehrer hatten sich schick gekleidet und genossen das Zuschauen. Als zum Schluss hin dann verkündet wurde, dass alle drei belegbaren Plätze von unseren Klassen eingenommen worden waren, war der Tag perfekt. Die Gewinner-Klassen bekamen strahlend jeweils einen Scheck überreicht, den sie als Klasse gemeinsam einlösen dürfen.



Lisu-Tänze

Zwei unserer Schülerinnen, herausgeputzt in ihren Trachten
 

Kleiderverteilung in Kandi. Die Grundschule hatte bereits im Herbst Kleidung bekommen, eine Hygieneschulung an der selben folge vor ein paar Wochen. Um das Dorf Kandi nun für die nächste Zeit abzuschließen, verteilten wir am Sonntag vergangener Woche schließlich auch Kleidung an die erwachsenen Dorfbewohner. Zwei von unserer Fugong-Gruppe mussten unterrichten, zwei wurden spontan krank und konnten deshalb nicht mit zur Aktion. So kam es, dass wir uns am Vormittag zu viert mit ein paar Bewohner Kandis im Tal trafen, die dort mit ihren Tuk Tuks auf uns gewartet hatten. Während die Kleidung ins Dorf gefahren wurde, machten wir uns zu Fuß auf den Weg über die mittlerweile so vertrauten Pfade bergauf.

Die Tuk Tuks fuhren die Kleidung ins Dorf.


Es war warm und schwül, hin und wieder zog ein abkühlender Regenschauer vorüber. Nachdem wir schweißgebadet den kleinen, überdachten Platz neben der Kirche erreicht hatten, fingen wir sogleich mit den Vorbereitungen für unsere Verteilung an. Der Gottesdienst war bereits vorüber und die Menschen saßen mit ihren Kopftüchern und Mützen auf den Bänken und schauten uns interessiert zu.
Auf der einen Seite holten sich die Frauen nacheinander ein Stapel Kleidung ab, auf der anderen Seite die Männer. Ein Kirchenmitglied schrieb dabei immer die Namen derer auf, die was bekamen, sodass man zum Schluss einen Überblick hatte.
 
Auf der einen Seite wird an die Männer, auf der anderen an die Frauen verteilt.


Daumen hoch!


Dieses Mal hatten wir den Fehler gemacht und vereinzelt immer mal die Leute gefragt, ob ihnen diese Hose oder jenes Oberteil gefällt. Das führte dazu, dass die Leute, insbesondere die Frauen, schließlich bestimmte Kleidungsstücke haben wollten und sogar anfingen, in den Kleiderstapeln zu suchen. Zum Glück kam uns da die Lehrerin der Dorfgrundschule zu Hilfe und erklärte den Leuten, dass jeder nun, um Chaos zu vermeiden, das jeweils Ausgesuchte bekäme und danach immer noch untereinander getauscht werden könnte. Als alle schließlich was bekommen hatten und sich bereits auf den Heimweg machten, es war um die Mittagsessenszeit, entfachte nochmals eine kleinere Diskussion mit den Kirchenvorstehern. Es ging darum, den Rest der Kleidung, der noch nicht verteilt worden war, im Dorf zu lassen für die Menschen, die an dem Tag nicht da waren. Weil es sich dabei um eine große Anzahl handelte und unsere Kleiderbestände in Liuku zurzeit gegen null gingen, waren wir für einen Moment ratlos. Schließlich hatten wir gleichzeitig auch damit gerechnet, die ganze Kleidung loszuwerden. Also einigten wir uns letztendlich darauf, die restliche Kleidung im Dorf zu lassen und deren Verteilung in die Verantwortung der Kirchenvorstände zu geben, wenn auch mit nicht ganz reinem Gewissen.

Mann mit neuer Kleidung

Wie es zu erwarten war, konnten wir die Einladung unseres Freundes, des „Pfarrerfreundes“, auch dieses Mal nicht abschlagen, und so saßen wir noch bei Hühnchen und Tee gemütlich in seiner Hütte, bevor wir uns am Nachmittag bei Nebel und Nieselregen an den Abstieg machten.


Im Nebel und Nieselregen machen wir uns an den Abstieg …

Am jetzigen Sonntag, eine Woche nach der Verteilung, habe ich mit dem „Pfarrerfreund“ und der Lehrerin aus Kandi telefoniert, wobei sie sich unzählige Male bedankten und glücklich berichteten, dass sie am Mittag die restlichen Kleidungsstücke an die anderen Menschen verteilt hatten.
Aus der Verteilaktion, von der wir bis heute nicht wissen, ob wir im Dorf die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Wir haben den Drang zur Kontrolle schließlich durch Vertrauen ersätzt, als wir die Verantwortung für die Kleidung an die Dorfleute abgaben und damit das Risiko eingingen, dass sie die Sachen unter sich verschärbeln – aber vielleicht muss man das manchmal einfach, Vertrauen schenken.

... und kommen schließlich durchnässt aber glücklich im Tal an (Marie, Max, ich, Jonas).



Letztens waren Amanda (die amerikanische Missionarin) und Hanna Clark (älteste Tochter der kanadischen Familie) bei uns. Zusammen wurde gekocht und gegessen, bis die Schälchen leer und unsere Bäuche kugelrund waren.

Amanda, Marlena, Hanna (v.l.)



Apropos, Clarks. Die kanadische Famile verlässt uns Anfang Juni, um zurück nach Kanada zu gehen. Man wolle den Kindern die Chance geben, zur Universität zu gehen und ein Leben mit Perspektiven zu haben. Zu diesem Anlass fand am Wochenende eine Abschiedsparty mit Freunden statt, zu der auch wir eingeladen waren.

Prost!


Sie schlachteten ihr Schwein, es wurde gegrillt und gesungen, geweint und gelacht.

 
Abschiedsparty bei Clarks – Barbecue

Barbecue nach der fugong'schen, unkomplizierten Art

Abschiedsparty bei Clarks – Singen



Zähneputzen in der Sommersonne. Zurzeit ist es wahrhaftig HEIß in Fugong und seiner Umgebung. Den ganzen Tag lang scheint die Sonne, die nur selten von kurzen Regenschauern abgelöst wird. Das gute Wetter sorgt für gute Laune, aber auch für allgemeine Schlappheit. Die Schüler liegen schon auf den Bänken, bevor die Stunde angefangen hat, und sind beschäftigen sich während des Unterrichts mehr damit, sich gegenseitig Luft zuzufächern als konzentriert ihren ebenfalls schwitzenden Lehrern zuzuhören.

Sommer, Sonne, Sonnenschein

Blühende Natur

Die Hitze blieb auch, als wir am Montag zu zwei Hygieneaktionen den Berg hochliefen. Wir waren zu fünft hatten die Aufgaben vorher gut verteilt, bevor wir nach knapp drei Stunden das erste Dorf erreichten. Seine Grundschule wurde von 31 Kindern besucht, es gab zwei Lehrer, die in zwei Klassenzimmern unterrichteten. Das mit hellblauen Fensterläden gezierte alte Schulgebäude war vergleichsweise groß und hatte neben den beiden Klassenzimmern noch einige leerstehende Räume. Wo es jetzt eher verfallen wirkte, so schien es früher einmal ein zentraler Ort vieler Schüler aus umliegenden Dörfern gewesen zu sein.
 
Unterricht im Dorf

Mit sonnencremeverschmierten Gesichtern bereit für die bevorstehende Aktion - Fabi, ich, Tom, Jonas

Schüler



Auf dem betonierten Platz neben der Schule setzten sich die Schüler an den Rand und schauten sich gespannt und amüsiert unser „Hygiene“-Schauspiel an, bei dem die gute Zahnbürste den bösen Karies vertreibt, der den Zähnen Schmerzen zugefügt hat. Im Anschluss daran durften die Kleinen selbst ans Werk und schrubbten unter Anleitung ihre Beißerchen. Einen Schluck Wasser nehmen, ein Mal gurgeln und dann in hohem Bogen ausspucken. Was Zähneputzen doch für ein Spaß sein kann!
Mit Spaß bei der Sache – das Zähneputzen.

Oft vermischt sich Zahnfleischblut mit dem Speichel.

Neue Zahnbürste und Zahnpasta
Während nach dem Zähneputzen die ganze Schar auf dem Schulhof „Ochs-am-Berg“ spielte, durften immer ein paar der Schüler zum Wasserhahn kommen, wo gemeinsam und mit Seife die Hände gewaschen wurden.

Die beiden Mädchen sind nicht mehr von unserer Seite gewichen.

Die 31 Schüler der ersten Schule

Später ging es noch eine halbe Stunde weiter ins nächste Dorf, das sich in der Sonne in eine Falte des Berges schmiegte. Es war sehr still, man hörte nur ein paar Vögel, das Rauschen eines nahen Baches und das Flimmern der Hitze. Die Schülerschaft der Grundschule dieses Dorfes zählte nur zehn Köpfe, die von einem jungen Lehrer unterrichtet wurden, kaum älter als wir

Die kleine Grundschule im zweiten Dorf

Auch hier erklärten wir, wie und warum man sich täglich die Zähne putzen sollte und deuteten auf die Wichtigkeit des Händewaschens vor jeder Mahlzeit hin. Im Anschluss spielten wir ein paar Bewegungsspiele, die nicht gerade abkühlende Wirkung auf Körper und Gemüt hatten, und so waren wir relativ schnell platt, während die Kinder unermüdlich strahlend über den Hof rannten.

Schülerin

Guckuck!
Es war drei Uhr nachmittags, Zeit zum Nachhausegehen. Die Schüler nahmen ihre Taschen und Zahnbürsten und verstreuten sich auf die umliegenden Pfade. Der nette Lehrer lud uns in seine Hütte ein, aber Marlena und ich mussten uns allmählich an den Abstieg machen, da uns die English Corner am Abend noch bevorstand. Deshalb gingen wir schon mal vor, während der Rest noch auf einen Tee bei dem Lehrer vorbeischaute.

Mit den zehn Schülern und ihrem Lehrer vor der kleinen Bergschule

Dorfmädchen
An unsere Hygieneaktion am Montag denke ich sehr gern zurück, sehe die lachenden Gesichter, spüre noch die Sonne auf meiner Haut. Ja, und das wohl mehr als mir lieb ist. Denn wer denkt in dem ganzen Trubel schon ans Eincremen?

Quadratischer Sonnenbrand
Berge



Hygieneboxen aus dem Wunderstoff „Haferflockenplastik“.
In Fugong hat ein neuer Supermarkt aufgemacht. Zwei Etagen, alles, was das Herz begehrt. Und das beste: Zwei Kassen, an denen die wohlhabendere Schicht Fugongs im Tausch gegen Lebensmittel und Haushaltswaren ihr Geld lässt. Das war natürlich unser Stichwort, uns sofort hinzusetzen und neue Hygieneboxen anzufertigen. Aber – nein – diesmal nicht aus Schuhkartons, sondern die professionelle Variante aus Haferflocken-Verpackungen. Ein bisschen Papier, ein paar Bilder, und schon entstanden zwei wunderschöne Hygieneboxen, die nun bereits an besagten Kassen Kleingeld für anstehende Hygieneaktionen in den Bergen sammeln.

Hygieneboxen aus Haferflockenplastik (Micha)


Vorgestern sind wir übrigens nach Liuku gefahren, um unser letztes Visum zu beantragen. Jetzt ist es offiziell: Am 10. September muss ich raus aus China sein, sonst verhaften sie mich vielleicht.

Letztes Visum


Liebe Grüße aus dem heißen China!








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