Donnerstag, 25. April 2013

Hallo zusammen!



 
Schneeberge I
Hallo zusammen!

Hab ich euch eigentlich schon einmal von der Mörder-Treppe der Fugong Mittelschule erzählt? Man sagt, sie soll hinter den Klassenzimmern und Schlafgebäuden erbaut worden sein, um ungezogenen Schülern beim Erklimmen der rund 200 Stufen Disziplin einzuflößen. Oben angekommen, führt sie nämlich nirgendswo hin als ins Nichts, das heißt auf Trampelpfaden gelangt man durch Felder und Gestrüpp in die Berge. Die oberste aller Stufen wird am Morgen als erstes von der Sonne angestrahlt. Sitzt man auf dieser Stufe, so wie ich es gerade tue, kann man zwischen den Bäumen auf die Schulgebäude, den Fluss und den sich auf der Ostseite des Nujiangs erstreckenden Stadtteil Fugongs schauen, bis sich hinter dessen Häusern das enge Tal wieder schließt. Dort, am Hang des Berges auf der anderen Seite, erstrecken sich die Reisterrassen. Auf einem der hinteren Berggipfel liegt Schnee.
Ja, heute ist es, wie auch in den vergangenen Tagen, sonnig und warm, eine willkommene Abwechselung in der trüben Regenzeit.





Reisbauern bei der Arbeit



Auch am Samstag, als wir für eine Hygieneaktion in die Berge wanderten, begleitete uns strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Der dreistündige Fußweg steil nach oben war beschwerlich, wurde von der atemberaubenden Aussicht ins Tal und den schönen Stunden im Bergdorf jedoch wettgemacht.


Auf dem Weg zur Hygieneaktion in Kandi (Micha, Marlena, Tom)

Durch den Regen der letzten Wochen ist die Sraße nur schwer befahrbar.

Ein Erdrutsch hatte die Straße für Fahrzeuge schließlich unpassierbar gemacht

Kurze Verschnaufpause beim Aufstieg

In Kandi, wo wir vor einem halben Jahr unsere allererste Kleider- und Hygieneaktion an der Dorfgrundschule hatten, wollten wir nun sowohl kontrollieren, ob das mit dem Zähneputzen klappt, als auch neuen Nachschub an Zahnpasta und Zahnbürsten liefern.


'Hello!'

Auf dem Weg wurde noch ein Welpe mit verkrüppelten Pfoten aufgesammelt und ins nächste Dorf gebracht

Berghütten
Als wir im Dorf ankamen, stellten die Lisu zunächst erneut ihre grenzenlose Gastfeundschaft unter Beweis, indem der Freund des Pfarrers, mit dem wir vorher telefonisch die Aktion organisiert hatten, uns zum Mittagessen in seine Hütte einlud. Als Dank für diese Herzlichkeit gaben wir vor der Familie unsere sich allmählich steigernden Gesangskünste zum besten, bevor wir auf dem kleinen, betonierten Hof vor dem Schulgebäude mit unserer Aktion begannen.

 
In der Hütte I

In der Hütte II

Grundschule Kandi

Das Vorlesen der Geschichte von Karius und Baktus, ein kleines Schauspiel und wiederholte Appelle an die Schüler der kleinen Dorfschule sollten ihnen nahebringen, warum und wann man sich die Zähne putzen muss, damit sie gesund bleiben.

 
Zuschauer beim Zahnputz-Schauspiel

Der böse Karies verteilt Süßigkeiten, nur um den armen Zähnen so Schmerzen zuzufügen.

Die gute Zahnbürste siegt.

Das Publikum ist begeistert.



Im Anschluss daran durften die Kinder natürlich selbst nochmal ran und putzten mit uns Freiwilligen gemeinsam die Zähne. Beim Ausspucken war der Speichel vieler Kinder mit Blut vermischt, was auf das empfindliche Zahnfleisch und dessen Reaktion auf die ungewohnten Strapazen durch die Zahnbürste zurückzuführen ist.

 
Ein Mal Zahnbürste, bitte!

Zähne putzen I

Bei einigen der Kinder reißt beim Zähneputzen das empfindliche Zahnfleisch auf.


 
Jetzt sind die Außenflächen dran.

Zähne putzen II


Beim anschließenden Spielen auf dem Hof wurden immer ein paar Schüler rausgeholt und zum Wasserhahn gebracht, wo wir ihnen zeigten, wie man sich die Hände mit Seife wäscht.


1-2-3-Ochs-am-Berg

Hände waschen I

Hände waschen II


Obgleich ich kein bestimmtes Kleidungsstück von unserer Verteilung wiedererkannt habe, so hatte ich doch das Gefühl, dass die Kinder bei diesem,  unserem dritten Besuch in Kodi, besser gekleidet aussahen als die Male zuvor.

 
Jedes Kind bekommt eine Seife

Kinder in Kandi (1)

Kinder in Kandi (2)


Ja, unser drittes Mal Kandi war so schön wie die Male zuvor. Irgendwie herrscht in diesem Dorf, das am dem Gipfel des Berges liegt, eine besondere Atmosphäre. Wenn wir auf den Pfaden zwischen den Holzhütten laufen, uns die Dorfbewohner ihre Freude über unser Kommen spüren lassen und uns Kandis Kinder anstrahlen, denkt man fast, man sei in einer anderen Welt.

 
Zum Abschluss ein Gruppenfoto


Bye Bye!

Eine Hütte, gebaut aus allem, was man hatte.
 
Beim Abstieg eine Streicheleinheit
Sonnenuntergang


Dieses Sich-in-einer-anderen-Welt-befinden erlebe ich auch, wenn wir unsere kleine Freundin Atscha besuchen. Das Mädchen mit Kinderlähmung wohnt mit seiner großen Schwester und seinem Vater in einem Dorf im Tal, unweit von Fugong.

Atscha


Die Mutter sei davon gelaufen, den Vater plagen Alkoholprobleme und die ältere Schwester treibt sich nachts auf den Straßen rum. Währenddessen sitzt Atscha den ganzen Tag auf ihrem Bett und schaut fern. Die Familie ist sehr arm und ist durch den Alkoholismus des Vaters und der Behinderung des Kindes in der Gemeinde verrufen, sodass sich letztendlich niemand um die elfjährige Atscha kümmert.
Eine der ausländischen Helfer in Fugong, Tabea, hat deshalb mit Atschas Vater ausgemacht, sie einmal pro Woche nach Fugong zu bringen, wo wir mit ihr Krankengymnastik machen, häkeln, malen oder Ball spielen. Manchmal fahren wir auch zu ihr nachhause, um ihr dort Gesellschaft zu leisten.
Wo die Kleine anfänglich noch eingeschüchtert und distanziert war, so lacht sie jetzt oft bei unseren Treffen und macht mit uns Späße.


Atscha beim Faxenmachen

Atscha beim Faxenmachen II (mit Sweet Pea)

Das Zimmer, in dem Atscha ihre Tage verbringt

Beim letzten Besuch bei ihr zuhause war auch der Vater da. Er spricht nur Lisu und aufgrund seiner Hasenscharte kann man ihn nur sehr schwer verstehen. Mit unseren paar Brocken Lisu haben wir dennoch versucht, uns ein bisschen mit ihm zu unterhalten. Im Haus fand ich eine etwas heruntergekommene, aber funktinoierende Gitarre. Wir waren begeistert, als er uns ein paar Akkorde vorspielte und Atscha strahlte, als sie uns so begeistert von ihrem Papa sah. Im Gegenzug stimmten wir anschließend mal wieder „Lemon Tree“ an, aber da war der Vater schon wieder aufgestanden und räumte in den Planen und Gerätschaften vor'm Haus herum.

 
Das Haus von Atschas Familie

Schneeberge II


Letztens waren wir im Abend-Ostergottesdienst in der Kirche des Nachbardorfes. Ostern ist hier, je nach Bezirk, an unterschiedlichen Wochenenden. Und dauert mehrere Tage lang. Zu dem feierlichen Anlass sangen und tanzten die Lisu in ihren Trachten auf der Bühne.


Die Kirche zur Osterfeier

Mittlerweile haben wir das Lisu-Alphabet so weit drauf, dass wir aus dem Gesangsbuch mit den anderen Leuten mitsingen können. Teilweise singt man gar vierstimmig – die Lisu sind ziemlich talentiert im Singen, gleiten dabei jedoch auch oft in ungeahnte Höhen und Lautstärken ab, die wir Westler nicht immer als wohlklingend bezeichnen würden.

 
Lisu-Tänze



Am Montagabend war auch wieder Chor. Nach demokratischer Abstimmung in der letzten Singstunde fiel die Wahl für das neue Lied auf „Lovestory“ von Taylor Swift. Wie man sieht, hat der Chor noch immer keinen Männerzuwachs bekommen.


Der Englisch-Chor bei der Probe.

Ich wünsche euch eine schöne Woche!

Eure Elena


 
Reisterrassen

Pause von der mühsamen Feldarbeit

Entlang der Wasserleitung durch die Reisterrassen


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