Mittwoch, 17. April 2013

Hallo ihr Lieben!




Hallo ihr Lieben!


Seit Tagen regnet es, heute Nacht tobte draußen ein starkes Gewitter. Das Trocknen der Wäsche beansprucht nun wieder mehrere Tage, und selbst bereits trockene Sachen sind am Morgen klamm von der hohen Luftfeuchtigkeit.


Waschtag

Die Schüler laufen mit ihren Regenschirmen und den Essschälchen unterm Arm über den Schulhof, die Jungs spielen in Flip Flops Basketball, während sich die Mädchen beeilen, ins Klassenzimmer zu kommen.

 
Mit dem Regen kommt auch der Frühling

Auf den Berggipfeln liegt noch Schnee

Frau mit Pferd


Die wenigen Tage, an denen der Himmel aufklart, nutzen wir zum Wandern und Erkunden. Letztens haben wir nach drei Stunden bergauf ein Dorf gefunden, das das letzte vor der myanmar'schen Grenze sein soll. La Tu hieß es. Weil wir das Abenteuer und die Abwechslung suchten, liefen wir nicht die vergleichsweise gute Sandstraße entlang, sondern liefen querfeldein über die Trampelpfade der Bergleute.

 
Über Stock …

… und Stein.


Die Wasserleitung als Weg I (Fabia, Marlena)
Die Wasserleitung als Weg II

Ungefähr eine viertel Stunde vor dem Dorf hörte der Weg auf und es ging nur noch durch's Unterholz weiter. Ein freundlicher Lisu-Mann, der gerade dabei war, mit seinem Pferd den Acker zu pflügen, führte uns durch's Dickicht, bis wir die ersten Hütten des Dorfes erreichten.

 
Kleiner Wasserfall

Bitte recht freundlich!

Bergbächlein


Dort erwartete uns schon ein Mitglied des Kirchenvorstandes, das von dem Pflügenden herbestellt worden war, um uns abzuholen. Man stellte uns dem Pfarrer vor, der uns stolz die Dorfkirche präsentierte, und lud uns im Aufenthalts- und Esszimmer der Kirchenvorsteher auf ein Glas Tee ein.

 
Kirche in La Tu

Ein Lisu streut das Saatgut aus


Noch bevor wir es verhindern konnten, schlachtete man im Nebenraum ein Huhn und tischte uns wenig später ein üppiges Mittagessen auf.
Als wir uns mit dem Dorfpfarrer unterhielten, fiel mir auf, dass selbst er, der in einem Amt fungiert, in dem man normalerweise die chinesische Sprache beherrscht, Schwierigkeiten beim Verstehen und Formulieren seiner Sätze hatte. Allgemein kann man sagen, dass das Chinesisch-Sprachniveau abnimmt, je höher in den Bergen man sich befindet. Die einfachen Dorfleute sprechen dann meist ausschließlich ihre Minderheitensprache, hier also Lisu.
La Tu ist ein relativ kleines Dorf. Mir war aufgefallen, dass neben heruntergekommensten Bambushütten neue Steinhäuser gebaut waren. Die Unterschiede in der Bedürftigkeit der Dorfbewohner scheinen also relativ groß zu sein.

 
La Tu

Holzhütten neben Steinhäusern

Familie im Bergdorf


Weil wir bei Zeit zurück in Fugong sein mussten, nahmen wir für den Abstieg dann doch die „große“ Straße. Die führte uns durch O Do Di, das Dorf, in dem wir unsere letzte Kleiderverteilung hatten.


Die Straße, die ins Dorf führt

Dieses Mal entdeckten wir eine Grundschule, von der wir zuvor gar nichts gewusst hatten. Sowohl die Kinder aus O Do Di, als auch die aus den umliegenden Dörfern wie La Tu wären hier Schüler. Das Gebäude hatte seine besten Tage schon hinter sich und die paar Kinder, die auf dem betonierten Schulhof spielten, sahen aus, als könnten sie neue Kleidung und eine Zahnbürste gebrauchen.

 
Grundschule in O Do Di

Lisu-Mädchen

Hütten im Bergdorf


Also ließen wir uns die Telefonnummer von den beiden Lehrern geben und machten uns auf den Weg ins Tal, mit dem Plan, bald eine Kleiderverteilung und Hygieneaktion an der Grundschule in O Do Di zu organisieren sowie eine Erwachsenen-Kleiderverteilung in La Tu.

 
Junge auf dem Weg in die Schule

Auf den Hütten wehen die Fahnen der Republik

Lisu-Dame in den Bergen



Besuch aus der Stadt. Die Woche zuvor, als Marlena auf Reisen mit ihren Eltern war, kamen für ein paar Tage eine Hand voll Freiwilliger aus Liuku vorbei. Sie hatten Ferien und wollten sich Fugong anschauen. Wir kochten gemeinsam, gingen spazieren, sie lernen die Top-Sehenswürdigkeiten Fugongs kennen.


Besuch aus der Stadt – Nora, Christoph, Pia

Kochen mit Momme und Nina

Sweet Peas Abschied. Sweet Pea (engl. Süße Erbse), die chinesische Mitarbeiterin bei Dagmar, die inzwischen unsere Freundin geworden war, hatte im Winter ihren Mann Hunter (engl. Jäger) geheiratet. Da die beiden nun Pläne über einen gemeinsamen Hauskauf schmieden, muss Geld her. In Dagmars Hilfsprojekt hatte Sweet Pea nicht genug verdient, weshalb sie nun einen Laden für Kinder- und Jugendkleidung eröffnen möchte. Letztens feierte sie ihren Abschied bei Dagmar und wir waren eingeladen.
Es wurde zusammen gekocht und gegessen, Spiele gespielt und gelacht.

 
Mmmmh, westliches Essen: Spaghetti Bolognese!

Sweet Pea



Übrigens: Sweet Pea und Hunter – zwei Chinesen, die ein perfektes Beispiel sind für exakt getroffene Namensgebung durch englisch sprechende Freunde. Natürlich hat hier jeder, und so auch Sweet Pea (FengYouHua) und Hunter, einen „normalen“, also einen Lisu-Namen oder einen chinesischen Namen. Wer aber Englisch lernt oder ein bisschen mit Ausländern zu tun hat, der legt sich meist zusätzlich einen englischen Namen zu.






Einen Gruß aus der Ferne,

eure Elena



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