Mittwoch, 13. März 2013

Blogeintrag 12.3.13



Als wir gestern durch Fugong liefen, lag der Duft nassen Asphalts in der Luft. Es nieselte.
Das erste Mal seit mehr als fünf Monaten. Die von Trockenheit, Staub und Waldbränden geprägte Zeit ließen lange auf den ersehnten Regen warten.
Jetzt fängt sie an, die Regenzeit.




Mit ihr hat das zweite Schulhalbjahr begonnen, und auch das zweite Halbjahr unseres Jahres.
Die erste Zeit von unserer Rundreise zurück in Fugong haben wir hauptsächlich damit verbracht, Unterricht vorzubereiten, Berichte zu schreiben, Leute zu treffen und am allabendlichen Tanzen auf dem Großen Platz in der Stadt teilzunehmen.


Auch die erste Chorstunde hat inzwischen stattgefunden. Unsere Erwartungen von mehreren hundert anströmenden Schülern wurden leider (oder zum Glück) nicht bestätigt, stattdessen lachten wir am Dienstag mit rund 25 Mädchen zu Atemübungen und verqueren Entspannungstechniken, bevor wir nach ein paar Tonleitergesängen (To-ma-to To-ma-to etc.) den Refrain von „Music Is The Key“ von Sarah Connor anstimmten.
Für das nächste Mal machen wir in den Klassen mehr Werbung, sodass wir vielleicht auch ein paar Jungs begrüßen dürfen.

Die erste Stunde unseres Englisch-Chors

 
Über's Wochenende hatten wir Besuch. Ein Freund einer ehemaligen BAUMHAUS-Freiwilligen wollte sich Fugong und unser Projekt anschauen. Marie und Fabia und sogar Tom und Micha aus dem einstündig entfernten Pi He kamen ebenfalls vorbei. Die schönen gemeinsamen Tage wurden gekrönt von einer Kleiderverteilung am Sonntag.

Nick, ich, Fabi, Micha

Abermals sollte es eine Verteilung von Erwachsenenkleidung sein, von der wir noch immer große Mengen zur Verfügung hatten. Geplant war dieses Mal, so viel Kleidung mitzunehmen, wie unsere Transportkapazitäten es erlaubten und abzuwarten, wie groß der Ansturm vor Ort sein würde, bevor wir entscheiden, wie viele Kleidungsstücke jede Person bekommt. In dieser Form hatten wir bisher noch nie verteilt und waren gespannt, wie es funktionieren würde.
Um Fahrtkosten zu sparen, gingen wir am Sonntagmorgen früh los, um zu Fuß in das Dorf in den Bergen zu laufen, während der Minibus voll mit Kleidersäcken später nachkommen würde.
An diesem Tag war der Himmel dunstüberzogen. Es waren aber keine Wolken, die die Sicht wenige Meter beschränkten. Viel mehr war es die von Waldbränden und Trockenheit verursachte sichtbare Verschmutzung der Luft.

Durch die langwährende Trockenheit kam es zu Waldbränden - das Tal ist von einer Dunstschicht überzogen.

Der Minibus mit der Kleidung trifft zeitgleich mit uns im Dorf ein.


Zeitgleich mit der Kleidung trafen wir im Dorf ein. Man begrüßte uns freudig und lud uns zum Tee ein. Im Gespräch mit dem Dorfpfarrer stellte sich heraus, dass wir uns nicht in dem Dorf befanden, in dem die Kleidung verteilt werden sollte.
Der Grund war, dass ganz zu Beginn unserer Planung bei der Übersetzung etwas schief gegangen sein musste und wir von Anfang an den falschen Dorfnamen hatten. Demnach hatten wir auch das falsche Dorf erkundet und waren nun mit der Kleidung ins falsche Dorf gelaufen. Lediglich die Telefonnummer des Pfarrers des richtigen Dorfes hatten wir. Alle Absprachen bezüglich der Verteilung waren rein telefonisch mit diesem Pfarrer verlaufen, sodass wir uns nach den Daten seines  Dorfes richteten.

Dorfjungen

Die Situation war mehr als unangenehm. Egal wie unser Plan B nun aussehen würde, man würde in jedem Fall eines der beiden Dörfer vor den Kopf stoßen. Nach reiflicher Überlegung entschied die Mehrheit der Gruppe, dass wir in diesem Dorf bleiben und in dem anderen Dorf zwei Wochen später  verteilen würden. Dem Pfarrer des anderen Dorfes wurde per Telefon die Problematik erklärt und er fand sich mit unserer Notlösung einverstanden.

Kinder spielen an einer Wasserleitung


Nun war es auch schon Zeit für den Dorfgottesdienst und man fragte, ob wir Ausländer dort nicht ein oder besser zwei christliche Lieder singen könnten. Natürlich konnten wir. Wir sangen, ungeprobt mehr oder weniger schief, und die Leute freuten sich. Als der Gottesdienst zu Ende war standen zuerst alle Frauen auf und liefen hinereinander den Mittelgang entlang nach draußen, die Männer folgten ihnen. Auf dem kleinen Platz vor der Kirche versammelten sich die Dorfbewohner, während wir die Kleider zum Verteilen bereit legten.


Ein Teil des Gottesdienstes bestand aus dem Unterrichten der korrekten Verwendung der lokalen Minderheitensprache Lisu.

Die Dorfbewohner versammeln sich auf dem kleinen Platz vor der Kirche.

Der Dorfvorstand nannte die Namen und hakte seine Liste ab.

Der Dorfvorstand rief mithilfe einer eigens erstellten Liste die Leute auf, die zu uns kommen und ihre Kleidung abholen sollten.
Weil wir mit diesem Dorf vorher nicht kommuniziert hatten, konnten wir nun nicht nachvollziehen, an wen die Kleidung ging. Es war wahrscheinlich, dass es sich dabei nur um die Christen des Dorfes handelte. Zum einen wussten die Menschen, die nicht im Gottesdienst waren, nicht, dass wir Kleidung verteilten und zum anderen werden die Nicht-Gläubigen oft nicht als Teil der Dorfgemeinschaft betrachtet und in solchen Angelegenheiten vernachlässigt. Im Normalfall hätten wir den Dorfvorstand damit beauftragt, die Information an alle Menschen im Dorf weiterzugeben, sodass alle Bedürftigen Kleidung bekommen würden, egal ob christlich oder nicht.


Probe-Konzept 'Ramsch-Verteilung'

Anstehen in der Schlange
Nachdem der Dorfvorstand ihr Name vorgelesen hat, durfte sich die Frau ihre Kleidung abholen.


Die Umstände erforderten es nun jedoch, zu akzeptieren, dass wir dieses Mal wohl nur an die Christen verteilen konnten. Dies verlief relativ zügig und reibungslos, die Anzahl der mitgebrachten Kleidungsstücke entsprach fast der der bedürftigen Menschen. Sogar ein paar Kinder konnten wir versorgen.

Einmal Ober- und Unterteil


Unsere leeren Kartons fanden auch noch Verwendung

Eine „Ramsch-Verteilung“, wie diese Art der Kleiderverteilung schon im Vorraus von uns bezeichnet wurde, erfordert zwar nicht viel an Vorbereitung, jedoch einiges an Nerven während der Verteilung selbst.
Der Vorteil ist, dass niemand entscheiden muss, wer bedürftig ist und wer nicht, sondern dass jeder kommen kann, der gerne Kleidung möchte.
Der Nachteil ist, dass die Verteilung selbst recht chaotisch abläuft und dass nicht zwangsläufig jeder die selbe Anzahl an Kleidungsstücken bekommt.

Am Ende war gar noch was übrig – jeder durfte sich ein weiteres Stück aussuchen.

'Daumen hoch' ;)


In zwei Wochen, wenn wir in dem anderen Dorf verteilen, werden wir wieder eine „Ramsch-Verteilung“ durchführen, die wir allerdings besser planen und organisieren. Details wie Aufgabenverteilungen und grobe Sortierung der Kleidung sollte dann schon vorher stattgefunden haben, sodass das Ganze weniger „ramschig“ wird.

Bye Bye!

Ich sende liebe Grüße aus China in die Heimat, wir gehen jetzt erstmal einen neuen Wasserkocher kaufen, da unserer urplötzlich den Geist aufgegeben hat.

Eure Elena

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