Dienstag, 20. November 2012

Kleiderverteilung und Hygieneaktion in Kodi



Blogeintrag vom 20.11.12

Kleiderverteilung und Hygieneaktion in Kodi. Gestern, an einem Sonntag, führten wir als Fugong-Gruppe unsere erste Aktion hoch oben in den Bergen durch. Die Kinder der Dorfschule in Kodi, das wir vor wenigen Wochen erkundet hatten, sollten warme Kleidung für den Winter sowie Zahnbürsten bekommen und darüber hinaus lernen, wie man Zähne putzt.

Als Übersetzer hatten wir Agai engagiert, bei dem wir das Erntedank-Fest gefeiert hatten. Er kann Englisch, Chinesisch und Lisu sprechen. Los ging es am frühen Morgen in Fugong: Mit unseren Säcken voll Klamotten suchten wir nach einem Minibus, der uns in die Berge bringen würde. Mit Agais Verhandlungskunst war bald einer gefunden. Nach etwa einem Viertel des Weges, der Bus befand sich gerade in einer scharfen Serpentine und hatte schon Einiges an Höhenmetern zurückgelegt, ging ein Ruck durch das Fahrzeug und wir standen still. Wir waren zu schwer, stiegen also aus und liefen hinter dem Minibus her. Bis dieser erneut zum Stillstand kam. Es sei zu gefährlich, da hoch zu fahren, meinte der Fahrer. Passenderweise kam gerade ein anderes Gefährt vorbei, das geringere Probleme beim Erklimmen des Berges hatte. Wir luden unser Gepäck sowie zwei Freiwillige plus Agai in dieses Gefährt ein, damit zumindest ein Teil zeitnah im Dorf nahe des Gipfels ankommen würde, während wir anderen den Weg zu Fuß zurückgelegten.

Zu schwer – wir müssen laufen …
Als auch wir schließlich ankamen, saßen die anderen drei schon in der Hütte des Mannes, mit dem wir vorher telefonisch alle nötigen Vereinbarungen getroffen hatten. Er war der beste Freund des Pfarrers und hatte bereits den Freiwilligen vor zwei Jahren, die ebenfalls in Kodi verteilt hatten, bei ihrer Aktion geholfen. Seine Frau kochte für uns. Es gab Reis und sogar Fleisch, was wirklich was Besonderes ist, und weshalb wir ein ziemlich schlechtes Gewissen hatten. Aber ablehnen wollten wir dann natürlich auch nicht.

Der Freund des Pfarrers, er empfing uns in Kodi
  
Am Wochenende findet in der Grundschule, die in Kodi die erste und zweite Klasse umfasst, kein Unterricht statt. Es hieß, die meisten Leute des Dorfes, und so auch die Schüler, seinen im Moment im Gottesdienst. Deshalb war der Schulhof, als wir das steinerne Schulgebäude erreichten, fast menschenleer. Bei einer Schule mit zwei Klassen braucht man keinen Headmaster – deshalb gibt es in Kodi auch keinen. Zwei junge Männer aus dem Dorf, so sagte man uns, würden die Kinder unterrichten. Sie seien aber nicht da.

Ankunft an der Schule in Kodi

Nach einer Weile schloss uns jedoch ein Junge einen der beiden Klassensäle auf, sodass ein Teil von uns schon einmal damit beginnen konnten, die Kleidungsstücke auf den Tischen zu sortieren. Währenddessen beschäftigte der andere Teil die Kinder, die bereits da waren, auf dem Schulhof mit Spielen.

Marie und Max spielen mit den Kindern

Eins, zwei drei, Ochs am Berg
Als sich ein Zug von alten und jungen Menschen in traditionellen Lisu-Trachten dem kleinen Schulgebäude näherten, wussten wir, der Gottesdienst war zu Ende. Der kleine Platz füllte sich rasch, ich hatte das Gefühl, das ganze Dorf nahm auf den Stufen am Rand des Hofes Platz, um den Baumhaus-Freiwilligen und den Kindern beim Spielen zuzuschauen.

Der Gottesdienst ist zu Ende

Nach einer Weile stellten wir uns – mit Agais Hilfe – zunächst den Menschen vor und erklärten ihnen, warum wir hier waren. Direkt im Anschluss führten wir vor dem Publikum ein kleines Schauspiel auf, das die Geschichte von Karius und Baktus beschreibt und verdeutlicht, wie wichtig Zähneputzen ist.

Hygieneschauspiel

Dann durften die Kinder selbst ran: Sie setzten sich nebeneinander in die Indo-Hocke und jeder bekam eine Zahnbürste (auf Nachfrage hatten wir erfahren, dass vorher keiner von ihnen eine besessen hatte), Zahnpasta und einen Zahnputz-Becher mit Wasser.

Erstmal gibt’s Zahnbürsten und Zahnpasta
Auf Kommando ging's los mit dem Putzen. Zwei von uns machten es den Kindern vor und diese ließen fleißig die Zahnbürsten kreisen. Jeden Tag soll ab nun geputzt werden, wissen die Kinder jetzt, am besten morgens und abends.



Marlena zeigt, wie's geht
Zähne putzen Arm in Arm



Danach durfte jeder seine Zahnputz-Utensilien an den Rand bringen, wo die Erwachsenen die Sachen in Empfang nahmen. Dann ging's auf zum Spielen.

Begeisterte Zuschauer
Spielen auf dem Schulhof in Kodi
  
Während dem Spielen wurden immer zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, ausgesucht und in den Klassenraum geführt, wo derweil die Verteilung der Kleider in vollem Gange war. Die Größe wurde abgeschätzt, man fragte „Hao, bù hao?“ (= Gefällt's dir?) - zum Schluss bekam das Kind einen Smiley auf die Hand gemalt, sodass man später wusste, wer schon Kleidung bekommen hatte, und mit jeweils einem neuen Unter- und Oberteil im Arm verließen sie zufrieden den Verteilungs-Raum, um wieder nach draußen zum Spielen zu gehen.
Verteilen der Kleidung im Klassenzimmer

Tom prüft, ob der Pulli passt
Draußen fand bereits die Riesen-Gaudi statt, schon im Klassenraum war das Lachen und die begeisterten Schreie der Erwachsenen zu hören, die die Kinder in der Mitte des Platzes anfeuerten.
Nach knapp einer Stunde Kleiderverteilung war jedes Kind, auch die Kleinkinder aus dem Dorf, die gekommen waren, neu eingekleidet.

Glücklich und zufrieden bedankten wir uns bei den Menschen und die Menschen bei uns. Mit langem Winken und kaum enden wollenden „Hua hua“'s (Lisu: hallo/tschüss) machten wir uns nach einer Weile, es war inzwischen Nachmittag geworden, auf zum Abstieg.

Reisterrassen Kodis in der Abendsonne



Die alte Lisu-Dame hat ihre Freude


Insgesamt sind wir, trotz der kleinen Unklarheiten am Anfang, der ungenauen Absprachen, mit unserer ersten Kleider- und Hygieneaktion in den Bergen sehr zufrieden.
Letztendlich haben knapp 40 Kinder neue Kleidung bekommen und wissen nun, dass und wie sie ihre Zähne putzen müssen. Kinder und Menschen, die gekommen waren, hatten ihre Freude beim Spielen und Zuschauen. Und wir Freiwilligen hatten einen wunderschönen Tag mit unglaublich herzlichen Menschen.
Und schließlich sind das die Dinge, die zählen.
Wir freuen uns auf unsere nächste Aktion.


Kommentare:

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  2. Schön dass man sich über Zähneputzen so freuen kann!

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