Sonntag, 14. Oktober 2012

Blogeintrag 14.10.2012


Hallo ihr Lieben, ich bring euch endlich mal wieder auf den neuesten Stand was mein Leben hier betrifft.

Streetkids. Immer wieder, wenn wir in der Stadt unterwegs sind, sehen wir Streetkids beim Flaschen sammeln. So auch letzten Donnerstag. Zwei Mädchen liefen am Straßenrand entlang und schauten sich die in Blechschalen schwimmenden Aale an, die zum Verkauf bestimmt waren. Wir sprachen die beiden mit unseren dürftigen Lisu-Kenntnissen an und erfuhren, dass sie Ata und Ade hießen und beide fünf Jahre alt waren. Als wir neben ihnen am Bürgersteig in der Hocke saßen und jedem ein kleines Tütchen Haribo gaben, schaute uns die ganze Straße an. Einige Passanten, hauptsächlich die in Lisu-Trachten, lächelten und sagten was Nettes zu den beiden Mädchen.
Mit Hua Hua ( = Hallo/Tschüss) verabschiedeten wir uns schließlich und liefen weiter. Als wir uns nach ein paar Minuten umdrehten, liefen Ata und Ade hinter uns her, blieben dann ebenfalls stehen und schauten uns an. Wir hatten leider nichts zum Spielen dabei und unsere Sprachkenntnisse waren bereits ausgeschöpft. Also sangen Marlena und ich Bruder Jakob im Kanon. Nach einer Weile summte Ata bereits mit. Wir bedeuteten den beiden, mit uns zu kommen, da wir sie zum einen nicht gleich wieder gehen lassen wollten und zum anderen wussten wir noch Unmengen an leeren Plastikflaschen in unserer Wohnung an der Schule. Und so liefen wir Bruder Jakob singend im Regen durch die halbe Stadt in Richtung Schule, wir in Regenjacken und wasserdichten Schuhen, die Mädchen barfuß und in dreckigem T-Shirt, die geflochtenen Körbe auf dem Rücken. Oben angekommen, legten wir ihnen besagte Flaschen in die Körbe und gaben jedem noch einen Apfel, bevor wir uns verabschiedeten. Währenddessen hatte sich ein breites Publikum aus Schülern auf der anderen Straßenseite versammelt.
Später fragten wir uns, ob es die richtige Entscheidung war, die beiden mit zur Schule zu nehmen und ihnen die Flaschen zu geben. Aber wir haben's jetzt einfach gemacht und denken, dass uns das ein ganzes Stück Vertrauen bei den Streetkids – und vielleicht auch bei den Passanten – eingebracht hat.

Pfannkuchen für die Lehrer. Am selben Abend backten wir in unserer Wohnung Pfannkuchen mit Apfelmus für die Lehrerinnen. Leider gab unsere Steckdose in der Küche genau im falschen Moment vollends den Geist auf, sodass wir uns um eine dreiviertel Stunde verzögerten und schließlich neben Marlenas Bett auf einem Hocker Pfannkuchen backten. Die Mühe sollte sich jedoch auszahlen. Unsere Gäste fanden die Küchlein ''so delicious!“, meinten jedoch, hier möge man kein Zimt, welches wir zu großzügig unters Apfelmus gemischt hatten.


Pfannkuchen backen im Schlafzimmer

 
Gongshan. Übers Wochenende waren wir bei den Freiwilligen in Gongshan, der letzten größeren Stadt, bevor es weiter nach Tibet und Myanmar geht. Helen hatte uns eingeladen, die unter der Woche Geburtstag hatte. Der Hinweg mit dem Linienbus verlief trotz des Regens der vergangenen Tage recht unbeschwerlich.


Bus nach Gongshan
 
Gongshan gefällt uns ziemlich gut, obwohl wir uns alles ein bisschen kleiner vorgestellt hatten. Dort gibt es zum Beispiel einen kleinen Park inmitten der Stadt mit Bäumen und traditionellen Pavillons. Und am wunderschönen Kiesstrand am Ufer des Nujiangs verbrachten wir eine Weile in der Mittagssonne. Am Abend gingen wir in eine tibetische Tanzbar. Auf der Tanzfläche machten traditionell gekleidete Tibeter die Schritte vor und die Leute (wir) tanzten im großen Kreis drum herum.
Wo wir schon mal da waren, durften Marlena und ich auch mit zum Unterricht unserer Kolleginnen. Da wir ungefähr die selben Klassenstufen unterrichten, konnten wir uns einiges an guten Ideen für unsere Zöglinge in Fugong abschauen.

Unterm Pavillon im Park von Gongshan


Gongshan Beach


Some day, I would like to visit the world. Apropos unsere Zöglinge: In der letzten Woche hatten wir uns was Besonderes für sie überlegt. Um ihre Motivation zum Englisch lernen anzuregen, und weil wir sowieso gerade das Thema „Reisen“ hatten, erstellten wir eine Power Point Präsentation mit Bildern von verschiedenen Plätzen auf der Welt. Nach vielen „Ooooh“s und „Aaaah“s meinten die meisten, dass sie am liebsten mal nach Rom oder in die Karibik wollten. Und in die Casinos von Las Vegas natürlich.
Nach den lockenden Bildern und den darauffolgenden Erklärungen unsererseits, warum Englisch so wichtig ist, hoffen wir nun, dass bei den meisten der Groschen gefallen ist und nun auch die Schüler in der letzten Reihe mitmachen.

English-Corner. Am Donnerstag fand übrigens die erste English Corner für die Junior-Schüler statt. Die wird zwar hauptsächlich von zwei Studentinnen aus Kunming, die für ein paar Monate hier unterrichten, organisiert, aber sie haben uns gefragt, ob wir helfen wollen, was wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Bei den Jüngeren der Schule, die die Junior-Schüler ja sind, war „Head And Shoulders, Knees and Toes“ der absolute Hit! Die Junior - English Corner findet ab jetzt alle zwei Wochen statt, während parallel die English Corner für die Seniors wöchentlich weiter läuft.


Wir haben Gemüse eingekauft, um für die Chemielehrerin nebenan und ihren Ehemann mal was fettarmes Deutsches zu kochen. Geplant sind Salz-Kartoffeln und Karotten-Bohnen-Gemüse, dazu Spiegelei. Nach dem ersten Spiegelei schiebt uns die Chemielehrerin zur Seite und nimmt uns die Pfanne aus der Hand. Sie greift die Flasche Fischöl, die daneben steht, und füllt die Hälfte der Pfanne damit. Im  Anschluss schlägt sie ein einziges Ei hinein. „Chinese people like fried food.“ Danach waren wir es, die ungläubig den Kopf schüttelten. Den Teller mit der chinesischen Variante des Siegeleis bekam übrigens der Ehemann.

Fisch chinesischer Art

  
Andere Länder, andere Sitten. Am Freitagabend durften wir als Gäste in der Junior 1 - Klasse unserer Chemielehrerin Englisch unterrichten. In der Pause warteten wir im Lehrerzimmer auf den Beginn der Stunde. In der Mitte des Zimmers standen vier Schüler in Kniebeugen-Position und schauten nicht gerade glücklich drein. Ein Englisch-Lehrer erklärte uns, dass die Jungs unerlaubt das Schulgelände verlassen hatten. Mit den Worten „... and because of that, they have to be punished“ drückte er den Kopf des ganz links stehenden Schülers zurück in den Nacken, bis dieser den Tränen nahe war.
Die Pausenglocke ertönte und wir gingen zum Unterricht. Die Kleinen sind noch so richtig motiviert und freuen sich über alles, was man mit ihnen macht. Da macht das Unterrichten erst recht Spaß.

Ziel: Universität. „I want to study English“, erzählte uns Shelly, eine der BTAC-Schüler, letztens beim Mittagessen. „Alessandra, what do you want to study next year?“ „I want to study English and Politics.“ Es wären knapp zehn Schülerinnen, die nächstes Jahr auf der Uni Englisch studieren wollten. Da nicht alle von ihnen im BTAC-Programm sind, haben wir uns überlegt, ein Mal pro Woche ein Treffen zu machen, zu dem all diejenigen kommen können, die im nächsten Jahr ihr Englisch-Studium beginnen möchten.
Da es den Mädels sonntags am besten passt, haben wir ab nun jeden Sonntagmittag zunächst zusammen Lunch, bevor wir uns auf dem Schulhof ein Plätzchen suchen, um Englisch zu reden sowie auf spezielle Dinge aus dem Unterricht einzugehen, die ihnen besonders schwer fallen.

Heute war das erste Treffen und die Mädchen sind super interessiert und strengen sich richtig an. Im Schatten der Bäume haben wir fürs erste Mal auf einer großen Treppe gesessen und einfach ein bisschen miteinander geredet sowie eine Geschichte erfunden, bei der jeder abwechselnd einen Satz hinzufügen musste. Für nächste Woche sollen sie ein paar Zeilen dazu schreiben, wo sie sich in zehn Jahren sehen. Damit werden wir dann ein bisschen auf die Grammatik eingehen. Wir, und sicher auch die Schülerinnen, freuen uns schon total auf nächsten Sonntag.

Angehende Englisch-Studentinnen I

Angehende Englisch-Studentinnen II


Eine schöne Woche euch allen,
eure Elena

PS. Wir haben Internet!!!

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