Dienstag, 2. Oktober 2012


ChinaGastfreundschaft und Herzlichkeit pur


Letzten Mittwoch rief uns eine Lehrerin an und verkündete, dass die nächsten Tage kein Unterricht stattfinden würde, da alle Schüler für das kommende Mondfest und den Nationalfeiertag am 01. Oktober nach Hause gehen würden. Also hatten wir die kommenden Tage Zeit, um ein bisschen die Gegend zu erkunden und Dinge in Angriff zu nehmen, die wir schon länger planten.

Marlena und ich wollten uns mal bei den ganzen jungen Englischlehrerinnen bedanken, die uns bis jetzt immer geholfen hatten. Wir hatten uns entschieden, Pfannkuchen mit Apfelmus für sie zu backen. Da wir erst ein Mal in unserer Küche gekocht hatten und das gründlich in die Hose ging, backten wir vergangenen Donnerstag Pfannkuchen auf Probe und luden Fabia und Marie zum Abendessen ein.
Glücklicherweise gelang das Experiment und unsere Küche duftete schließlich vertraut nach Äpfeln und Zimt. Die Lehrerinnen können also kommen.

 
Pfannkuchen mit Apfelmus


Am Freitag nahmen wir uns vor, einen Berg am Rande Fugongs zu besteigen. Zusammen mit Marie und Fabia liefen wir los. Bereits nach kurzer Zeit trafen wir ein paar Lisu-Frauen, die mit ihren schweren Körben auf dem Rücken auf dem Weg in ihr Dorf waren
Lisu mit ihren Körben

Zwar sprechen wir kein Lisu und sie weder Englisch noch Chinesisch, dennoch konnten wir uns durch wildes Gestikulieren verständigen. Amüsiert über unsere Anfänger-Aussprache, brachten sie uns ein paar Worte auf Lisu bei. Sie bedeuteten uns, ihnen zu folgen und nach vier Stunden bergauf erreichten wir schließlich das kleine Dorf auf dem Gipfel.
Man bot uns in einer großen Holzhütte heißes Wasser, selbst gepflückte Birnen und Sonnenblumenkerne an. Leider war es schon spät und wir mussten uns sehr bald auf den Rückweg machen, um nicht im Dunkeln unten anzukommen.
Bergpony
Im Bergdorf


Schon ein paar Mal waren wir nun bei Dagmar, der deutschen Entwicklungshelferin in Fugong, um ein bisschen in ihrem Projekt mitzuarbeiten. Einer ihrer Mitarbeiter heißt Agai und kommt aus einem Lisu-Dorf nahe Fugong. Zum Erntedank-Fest, das an diesem Wochenende war, lud er uns zu sich nachhause ein. 
Zum Mittagessen kamen wir in seinem Dorf an. Seine Mutter und seine Schwester hatten gekocht und aßen nun mit uns in einer kleinen Hütte, die der Familie als Küche diente. Zur Feier des Tages gab es Reis, Fleisch und Kohl. Nachdem die Mutter uns mithilfe von Agais Übersetzung erklärte, dass wir Teil der Familie seien und es in einer Familie üblich ist, dass die Mutter für ihre Kinder sorgt, legte sie jedem ein paar Fleischstücke in die Schüssel.
Ich brachte es nicht übers Herz, der alten Dame ihre Gastfreundlichkeit zu verwehren, indem ich mit Erklärung meiner vegetarischen Prinzipien dankend abgelehnt hätte. Also ich.


Mit Agais Mutter

Es war halb zwölf, um zwölf sollte der Erntedank-Gottesdienst beginnen. Da sagte Agai: „Könnt ihr in der Kirche was vorsingen?“
Eine Stunde später standen wir in einer großen geschmückten Halle vor mehreren hundert  in traditionellen Trachten gekleideten Lisu-Leuten zu zweit auf der Bühne und sangen 'Ins Wasser fällt ein Stein' und 'Give Thanks to the greatful Lord'.
Wieder erfuhren wir, wie die chinesische Spontanität für eine Überraschung gesorgt hat.

Bei Agai

Am Sonntag waren wir wieder eingeladen. Die Leute wollten uns nochmal singen hören. Diesmal nahmen wir die anderen Freiwilligen aus Fugong und Umgebung mit. Nach dem Abendessen ging's also in die Kirche, heute war der letzte und größte Abend des Erntedankfestes. Nach der Predigt, zahlreichen Lisu-Tänzen und -Gesängen waren wir an der Reihe und gaben zu sechst ein paar christliche Lieder zum besten. Marie und Micha spielten Gitarre dazu und die Menschen klatschten mit.


Am Sonntagmorgen waren wir übrigens schon um viertel vor sieben aufgestanden, denn wir waren mit Shelly, eines der BTAC-Mädchen unserer Schule, verabredet. Sie hatte uns in ihr Dorf eingeladen, in das zu gelangen es einer Bergauf-Wanderung von gut zwei Stunden bedurfte. In der Stadt kauften wir ein paar Baozì und Mondkuchen für den Weg. Shelly und eine Freundin aus demselben Dorf holten uns ab und wir liefen los. Die beiden Mädchen sagten, sie legten diesen steilen Weg alle paar Wochen zurück, um von der Schule heim zu laufen. Ein dementsprechendes Tempo legten sie an den Tag. Für uns Mädchen aus dem Flachland mussten wir alle paar Minuten eine kurze Verschnaufpause einlegen.


Mit Shelly (2. von rechts)

 Ich war heilfroh, als wir nach gefühlten Millionen Stufen und Steinen  endlich in ihrem Dorf ankamen. Dort lernten wir ihre Familie und Nachbarn kennen, wobei man das dort anscheinend nicht streng voneinander trennt. Alle sind eine große Familie. Die Kinder zeigten uns ihr Dorf. Der Ausblick ins Tal war gigantisch und ließ uns die vorherige Anstrengung (fast) vergessen. Später gab es Sojasprossen, eine Art Zucchini, Chilischoten und Reis zum Mittagessen. Um pünktlich zu unserem Auftritt beim Gottesdienst in Agais Dorf zu kommen, mussten wir nach dem Essen direkt wieder gehen. Da wir knapp in der Zeit waren, rannten wir die holprigen Wege des Berges herunter und kamen schließlich mit hoch rotem Kopf an unserer Schule an, wo wir in Windeseile duschten, um dann mit den anderen Freiwilligen auf den Weg zu Agai machten.


Nach dem Abendessen, unserer Gesangseinlage und dem Gottesdienst fuhren wir per Minibus wieder zurück in die Stadt.
Heute war das große Mondfest und auf dem großen Platz war die Hölle los. Menschen hatten sich an der Hand und tanzten in großen Kreisen Lisu-Tänze zur Musik. Wir klinkten uns ein und hüpften mit.

Gestern, am Tag nach der Mondnacht, war der chinesische Nationalfeiertag. In der Stadt war nichts los, viele Geschäfte und Bäckereien hatten geschlossen. Als Gruppe (die Freiwilligen von außerhalb hatten in der Stadt übernachtet) aßen wir bei einem Nudelmann zu Mittag, bevor wir uns auf die Tribüne des großen Platzes setzten und unsere Projektziele und -aufgaben für die nächsten Wochen besprachen.

Heute haben wir es etwas ruhiger angehen lassen, bevor morgen auch der Unterricht wieder beginnt. 
Fazit: Das Wochenende war echt wunderschön, Milliarden von Eindrücke sind auf uns eingeströmt, die wir versuchen, festzuhalten und wir haben so viel Gastfreundschaft erfahren, wie wir sie uns als Fremde nie erträumt hätten.

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche!

Eure Elena


PS. Wenn alles klappt, haben wir in den nächsten Tagen Internet in unserer Wohnung!

Mooncake "Pingpong"



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