Samstag, 29. September 2012

Unsere Wohnung

Blogeintrag vom 29. Sept. 12

Zunächst muss ich klarstellen, dass es vor dem letzten Blogeintrag einige Änderungen gegeben hat. Und zwar bin ich mit Marlena aus Stuttgart an der Mittelschule (7. bis 12. Klasse) direkt in der Stadt Fugong.

Im Folgenden findet ihr nun auch ein paar Bilder, auf denen ihr sehen könnt, wie es hier aussieht.


(Bild: Verkehr in Kunming)


(Bild: Nujiang-Tal)


(Bild: Mit Ziegen am auf der Straße in Fugong)



Kommt man bei uns zur Wohnungstür rein, wird man geblendet von rosa Tüll. Ich bin nämlich seit Neuestem im Besitz eines eigenen Moskitonetzes. Letzte Woche hatte es nachmittags an der Tür geklopft und drei Lehrer standen mit einem zweiten Bett davor. Das war der Startschuss, das bis dahin leer gestandene Nebenzimmer zu beziehen. Mittlerweile fühle ich mich in unserer Wohnung richtig wohl.

Helden des Tages: Nach der erfolgreicher Installation Bettes strahlen die drei Lehrer


Großputz in unserer Wohnung



(Bild: Zu einem ordentlichen Haushalt gehört natürlich auch die genauste Buchführung.)

(Bild: Nicht nahrhaft, aber lecker – Bisquittörtchen.)



Natürlich ernähren wir uns nicht nur von Bisquitkuchen. Gestern haben wir zum Beispiel zum ersten Mal in unserer Küche gekocht. Fabia und Marie von der Grundschule außerhalb Fugongs waren zu Besuch und nach ein paar Komplikationen gelangen uns schließlich die Nudeln mit Tomaten-Kürbis/Gurken/Melonen-Soße.



(Bild: Marlena in ihrem Element des Apfelschälens)



Am Dienstag haben wir zum ersten Mal unterrichtet.
Wir unterrichten fünf zehnten Klassen jeweils eine Stunde pro Woche in Englisch. Die Anzahl unserer Stunden ist also noch ausbaufähig. Man sagte uns, dass wir für das Vermitteln des Reden und Hören verantwortlich sind.

Eine kleine Vorstellungsrunde (Name, Alter, Hobbys)  führte zwei der Klassen bereits an ihre sprachlichen Grenzen.
Viele der Schüler in diesen beiden Klassen waren sehr schüchtern und trauten sich nicht, laut und deutlich ihren Satz zu sagen. Manche drehten sich zum Fenster, andere verdeckten ihr Gesicht mit den Händen, wieder andere kicherten nervös. Jedoch gab es auch Einzelne, die positiv herausstachen und ihre Selbstvorstellung noch durch andere Dinge erweiterten.

Was auffiel ist, dass alle Klassen insgesamt interessiert und aufmerksam waren und den Unterricht nicht störten. Das erleichterte die Sache natürlich ungemein.

Um das Thema ein bisschen interessanter zu machen, hatten wir uns überlegt, mit einem englischsprachigen Lied über Freundschaft zu arbeiten. ''Count On Me'' von Bruno Mars schallte also durch den Klassenraum und begeisterte unsere chinesischen Zöglinge.

Nach den ersten Unterrichtsstunden wollten wir nun aber doch mal wissen, wie hier der Unterrichtsalltag aussieht.
Also durften wir uns nach langen Gesprächen schließlich gestern mit in die Klasse einer jungen Englischlehrerin setzen. Dort haben wir erlebt, dass sich der chinesische Unterricht sehr stark auf nachsprechen und auswendig lernen fokussiert.

Antworten oder Statements werden hier von der Klasse im Chor erwartet, nicht vom Einzelnen. Die Schüler sind es also gar nicht gewohnt, dass der Lehrer mit dem Einzelnen spricht und dass sie alleine was sagen sollen. Das erklärt auch die Schüchternheit bei der Vorstellungsrunde.

Was außerdem auffiel ist, dass Schüler stark zusammenhalten. Wenn einer bei der Vorstellungsrunde nicht weiter kam, halfen die Mitschüler durch (nicht ganz so leises) Flüstern.

Diesem Zusammenhalt begegnet man in Yunnan überall. Auf dem Schulhof laufen die Jungs Arm in Arm herum und in der Stadt sieht man, wohin man schaut, Menschen, die miteinander erzählen und lachen. Hier hat es niemand eilig, keiner ist gestresst und schlecht gelaunt.



(Bild: Marlena in der Straße unserer Schule. Bergab führt sie über die Brücke in die Stadt.)




Vorgestern fand zum ersten Mal die English Corner statt. Ab nun wird sich jeden Mittwochabend ein recht großer Haufen an Schülern (freiwillig) mit uns und weiteren Englischlehrerinnen treffen, um das gesprochene Englisch zu üben. Die Schüler sollen hier so viel wie möglich sprechen und einen engeren Kontakt zur Sprache finden. Marlena und ich bereiten die English Corner zusammen mit einer Lehrerin vor. Allerdings ist es sehr fraglich, ob diese Veranstaltung mit einer so hohen Teilnehmeranzahl überhaupt Sinn macht. Da müssen wir uns noch was überlegen.

Ende letzter Woche sind Marlena und ich mal losgezogen, um die Gegend um Fugong herum ein bisschen zu erkunden. Ein Wir entdeckten
Blick auf Fugong mit dem Nujiang-River


Eine Familie vor ihrem Haus, an dem wir beim Wandern vorbeikamen


Der Junge freut sich über die Gummibärchen aus Deutschland


Auf der Wanderung




Liuku

Am Wochenende haben sich alle 31 Freiwillige des Baumhausprojekts in Liuku getroffen. Dort fand die Projektübergabe der Freiwilligen-Generation von 2011/12 an uns Neuen statt.

Die Freiwilligen aus Gongshan und Fugong haben sich am Freitagabend bei uns getroffen, um am Morgen drauf gemeinsam nach Liuku aufzubrechen.




In Liuku wurde erzählt, was genau bei den einzelnen Projekten in den letzten Jahren bereits gemacht wurde und wo wir anknüpfen können. Wir einigten uns darauf, dass wir in den jeweiligen Regionen (Fugong, Liuku, Gongshan, Lanping) zwei „Leiter“ für das jeweilige Projekt haben wollen. Das bedeutet jedoch nur, dass man sich für eines der Projekte besonders verantwortlich fühlt und sich besonders einsetzt. Natürlich arbeiten wir weiterhin als Gruppe zusammen und helfen in allen Projekten mit, wo wir können.
Marlena und ich sind nun die Projektleiter für das BTAC/Patenschafts-Projekt sowie mit Fabia die Projektleiter für das Streetkids-Projekt in Fugong.


In den nächsten Tagen steht ganz schön viel an.

Wir haben uns vorgenommen, die Gegend nach und nach auszukundschaften sowie langsam den Kontakt zu den Straßenkindern in Fugong zu suchen. Bisher haben wir sie nur beim Flaschensammeln beobachtet und ihnen ab und zu was Süßes gegeben. Wir wollen herausfinden, wo Dörfer der Streetkids sind und wie viele in Fugong leben.
Das Ziel für das nächste Jahr ist es, so viele von ihnen wie möglich zur Schule zu schicken.

Des Weiteren müssen wir uns dringend ein neues Konzept für das BTAC-Projekt überlegen.
Genaueres dazu folgt.

Gleichzeitig bereiten wir den Unterricht und die English Corner vor.

Für das Chinesisch und Lisu (die Sprache der Minderheit, die hier sehr stark vertreten ist) - Lernen versuchen wir uns regelmäßig Zeit zu nehmen.
Um uns neue Vokabeln zu merken haben Marlena und ich jetzt ein neues Konzept entwickelt. Und zwar sind wir in den Wochen, die wir bereits hier sind, süchtig nach Keksen geworden. Da der Konsum irgendwann entschieden zu weit ging, beschlossen wir, neben täglichem Frühsport gibt es ab sofort nur noch einen Keks, wenn man zwei neue Vokabeln gelernt hat.

Bis zum nächsten Eintrag!

Eure Elena

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